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Weltmarkt Privathaushalt

  
Der Privathaushalt ist ein durch und durch globalisierter Markt - für prekäre Arbeit! Schätzungsweise 100 Mio Hausangestellte erledigen rund um den Globus die wachsende Nachfrage nach Haus- und Pflegearbeit. Ihre Arbeitsbedingungen gehören zu den prekärsten, denn für sie gilt nicht das Arbeitsrecht. Das soll sich ändern. An der ILO-Konferenz 2010 wurde in zähem Ringen der Entwurf für eine Konvention für Hausangestellte verabschiedet.

Hausarbeit ist zu einem unverzichtbaren Wirtschaftssektor geworden, für Frauen stellt er weltweit eine ihrer wichtigsten Arbeitsmöglichkeiten dar. Als ?Haushaltshilfen? übernehmen sie für begütertere Frauen eine Vielzahl von Funktionen in privaten Haushalten. Ihre Arbeit ist meist nicht als solche anerkannt, denn Hausarbeit gilt als ?privat? und unsichtbar. Viele Staaten gewähren keine Aufenthaltsbewilligungen für Hausangestellte. Die Folge ist in zu vielen Fällen krasse Ausbeutung.

Neoliberale Globalisierung mit wachsender Informalisierung und Prekarisierung der Arbeit, dadurch Zwang zu Migration und häufig Illegalisierung, sowie die weltweite Diskriminierung von Frauen spitzen sich für diese ArbeitnehmerInnen in einem unerträglichen Mass zu. Jetzt haben sie in der ILO Gehör gefunden.

Aufgrund der hohen Informalität der Hausarbeit gibt es wenig verlässliche Daten zu Hausangestellten. Die ILO schätzt ihre Anzahl auf über 100 Mio (ILO 2008) . Die Nachfrage steigt, besonders im reichen Europa. Den sozialpolitischen Rückzug des Staates kompensieren billige Arbeitskräfte aus Osteuropa. In der Schweiz existieren schätzungsweise allein 125'000 Vollzeitstellen für Hausangestellte (Unia 2007), dazu kommt ein Vielfaches an Teilzeitstellen. Laut seco (2007) steht der Privathaushalt bezüglich missbräuchlicher Lohnzahlungen an 2. Stelle der Negativliste! Ein NAV mit Mindestlöhnen soll Anfang 2011 in Kraft treten und Abhilfe schaffen. (Der Genfer kantonale NAV von 2004 diente dafür als Vorbild.)

Es braucht jedoch weltweite soziale Mindeststandards. Eine ILO-Konvention ist die international anerkannte Form dafür. Dank eines internationalen Netzwerks aus Gewerkschaften und NGOs ist an der Konferenz 2010 die Verabschiedung eines Entwurfs für eine griffige Konvention gelungen. Ungelöst bleibt jedoch die Situation illegalisierter MigrantInnen.
  • Solidar fordert die Schweizer Regierung und Arbeitgeber auf, der Konvention an der Konferenz 2011 zum Durchbruch zu verhelfen!
Dem Kampf für die Konvention soll u.a. auch der internationale Frauentag am 8. März 2011 als Plattform dienen.

Hausarbeit ist in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Doch gerade in der Hausarbeit findet eine der umfassendsten gesellschaftlichen Verschiebungen der Gegenwart statt. Frauen aus so genannten Niedriglohnländern bilden eine wachsende Schicht prekär beschäftigter Hausangestellter, die zunehmend auch Pflegeaufgaben übernehmen. Welche gesellschaftlichen Kräfte stehen hinter dieser Entwicklung? Wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Welche Gegenstrategien gibt es? Welche Forderungen müssen an die Politik gestellt werden?

Im Dossier zur Tagung "Globalisierte Lohnarbeit im Privathaushalt - Wege aus der Prekarität" von SAH und Denknetz vom 6. November 2009 finden Sie Inputs und Thesen sowie weiteres Material zum Thema.

Informationen über faire Bedingungen der Hausangstellten in der Schweiz finden sie hier oder in dieser Broschüre.


Solidar engagiert sich mit konkreten Projekten für die Besserstellung von Hausangestellten.  Sehen Sie dazu den Bericht von Hans Haldimann / Schweizer Fernsehen (16.08.2009). 
                        

mitenand vom 16.08.2009