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Südafrika

  
 

Seit dem Ende der Apartheid 1994 regiert in Südafrika die ehemalige Befreiungsbewegung African National Congress (ANC). Im Mai 2014 gewann der ANC zum fünften Mal in Folge die Wahlen und erzielte 62 Prozent der Stimmen.  Stärkste Oppositionspartei ist die Democratic Alliance (DA) mit einem Stimmenanteil von 22 Prozent.
 
Sozio-ökonomische Apartheid
Südafrika ist neben Nigeria das wirtschaftliche Powerhouse in Afrika, seine Volkswirtschaft macht ein Viertel der Wirtschaftsleistung des Kontinents aus. Im Human Development Index belegt Südafrika jedoch nur Platz 123 von 187 Ländern weltweit. Zwanzig Jahre nach der Befreiung und dem Übergang zur Demokratie hat das Land am Kap noch immer mit enormen Problemen zu kämpfen. Südafrika ist eines der Länder mit der grössten sozialen Ungleichheit weltweit – eine schwere Hypothek für den sozialen Frieden. Die Überwindung der "sozio-ökonomischen Apartheid" ist und bleibt die grösste Herausforderung. Die Arbeitslosigkeit liegt nach offiziellen Angaben bei 25 Prozent. Berücksichtigt man jedoch auch jene, die die Arbeitssuche längst aufgegeben haben, so sind 40 Prozent ohne Arbeit. Bei Jugendlichen ist diese Zahl noch höher. Gleichzeitig weitet sich das Phänomen prekärer Arbeit aus, v.a. in Form von Temporärarbeit (Labour brokers).
 
Soziale Proteste
Permanente BürgerInnenproteste gegen den schlechten Service Public prägen den Alltag, Korruptionsskandale belasten die politische Klasse. Sozialen Protesten wird oft mit Polizeigewalt begegnet. 2012 starben im Marikana 34 Minenarbeiter im Kugelhagel der Polizei, als diese eine Streikversammlung brutal und ohne jede Verhältnismässigkeit auflöste. Es war das schlimmste Blutvergiessen seit Ende der Apartheid. Der Konflikt steht beispielhaft für die soziale Kluft in der südafrikanischen Gesellschaft, für weiterhin grassierende Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse, das Desinteresse von Regierung, ANC-Parteispitze und der etablierten Gewerkschaftsfunktionäre gegenüber den Sorgen und Nöten der einfachen Leute.
 
In der Regierungskoalition aus ANC, kommunistischer Partei SACP und dem Gewerkschaftsdachverband COSATU kam es immer wieder zu internen Auseinandersetzungen. Neben Parteiabspaltungen (EFF 2013, COPE 2008) haben 2014 erstmals mehrere Gewerkschaften um die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA – der grössten Einzelgewerkschaft in Südafrika – dem ANC die Unterstützung versagt. Trotzdem ist der Zuspruch der WählerInnen für den ANC weiterhin ungebrochen, sei es mangels glaubwürdiger Alternativen oder aufgrund einer immer noch tief sitzenden Loyalität gegenüber der ehemaligen Befreiungsbewegung und heutigen Regierungspartei.
 

 

Regionale Kooperation im Südlichen Afrika

Solidar engagiert sich in Südafrika für bessere Arbeitsbedingungen für formell wie informell Beschäftigte sowie für starke Gewerkschaften. Solidar arbeitet mit Nicht-Regierungsorganisationen  (Khanya College, Workers World Media Productions) sowie auch mit Gewerkschaften (SADSAWU, BWI). Die Projekte haben eine Ausstrahlung weit über Südafrika hinaus, in rund ein Dutzend afrikanische Länder.

Joachim Merz ist verantwortlich für die Solidar- Projekte in Südafrika.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Projekt

Artikel im Solidar-Magazin «Solidarität»