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StrassenhändlerInnen in Brasilien: Fifa macht auf Kosmetik

 29. 05. 2014  
Medienmitteilung vom 29. Mai 2014

Nachdem Solidar Suisse die Fifafoul-Kampagne lanciert hat, um das Schicksal der StrassenhändlerInnen während der WM zu verbessern, hat die Fifa mit ersten Beschwichtigungsversuchen reagiert. Doch die Fifa betreibt reine Augenwischerei. Tatsache ist: Die Fifa macht viel zu wenig und viel zu zögerlich.


Mit einem Foul-Video kritisiert das Hilfswerk Solidar Suisse die Verkaufsverbote der Fifa für StrassenhändlerInnen rund um die Stadien. Solidar Suisse ist hocherfreut über die Mobilisierung, die das Video innert kürzester Zeit erreichte: Wenige Tage auf dem Netz wurden schon rund 9000 Protestmails an Sepp Blatter verschickt.
 
Die Fifa hat nun auf das Video reagiert und betont, dass sie einen „Akkreditierungsvorgang“ ins Leben gerufen habe –  StrassenhändlerInnen würden u.a. eine Uniform erhalten und könnten versuchen, sich für den Verkauf autorisierter Produkte zu akkreditieren. Gemäss Fifa können bis zu 3000 StrassenhändlerInnen an diesem Programm teilnehmen.

Das reicht bei weitem nicht. Zwar ist erfreulich, dass sich die Fifa aufgrund des öffentlichen Druckes etwas bewegt, aber die Massnahmen der Fifa sind zu wenig, zu lückenhaft und zu zögerlich: So hat sich die Fifa bisher geweigert, eine nationale und einheitliche Lösung anzustreben. Viele StrassenhändlerInnen bleiben vom Verkauf an den WM-Stätten ausgeschlossen. Ausserdem wollen die Kleinhändler nicht die autorisierten Produkte der Fifa und ihrer Sponsoren verkaufen, sondern ihre normalen Waren – vielfach Lebensmittel und Getränke, die lokal produziert werden, und die nun von den gesponserten Produkten verdrängt werden.

Die Schönfärberei der Fifa hat System. So lobt sie sich in einer aktuellen Stellungnahme, dass schon in Südafrika „fast 4.000 Personen, hauptsächlich informelle Händler und Kleinunternehmer geschult“ worden seien, die „im Catering-Bereich für die Fans in den Stadien tätig waren“. Demgegenüber kritisiert Nora Wintour von der Strassenhändlervereinigung Streetnet International, dass in Südafrika wohl „mindestens 100‘000 Strassenhändlerinnen von den exklusiven Verkaufszonen der Fifa“ ausgeschlossen waren.

Dies wiederholt sich nun in Brasilien: Allein in den 12 WM-Städten gibt es 80 Strassenhändler-Organisationen.  „Wir schätzen, dass auch in Brasilien mindestens 100‘000 StrassenhändlerInnen von den Sperrzonen der Fifa betroffen sind“, sagt Joachim Merz, Fifa-Experte bei Solidar Suisse.

Solidar Suisse fordert die Fifa auf, ihre soziale Verantwortung endlich wahrzunehmen, den Verkaufsbann aufzuheben und entsprechend Druck bei Sponsoren und Austragungsstädten zu machen – damit endlich auch die Strassenhändlerinnen von der WM profitieren können. „Es sollte doch möglich sein, dass die Fifa und die WM-Sponsoren von ihren erwarteten Rekordeinnahmen etwas an die StrassenhändlerInnen abgeben“, sagt Eva Geel von Solidar Suisse. Allein die Fifa kann gemäss Hochrechnungen Einnahmen von rund 4 Milliarden Franken aus der WM erwarten. Und ein Strassenhändler verdient durchschnittlich gerade mal 270 Franken monatlich.

Weitere Informationen:
Joachim Merz, Fifa-Experte Solidar Suisse, 078 802 14 08
Eva Geel, Leiterin Kommunikation Solidar Suisse, 079 430 82 22
www.solidar.ch und www.faire-wm.ch